Sprecherin und Schauspielerin


Blog

Fr

17

Nov

2017

Alias Grace, neue Miniserie

Alias Grace, die 2017 herausgebrachte neue Miniserie nach einem Roman von Margarete Atwood hat mich sofort in Bann genommen.

Die eindrückliche und gleichermaßen auch geheimnisvolle Geschichte der jungen Grace, die beschuldigt wird, einen Mord begangen zu haben, ist filmisch und erzählerisch beeindruckend umgesetzt worden. Es sind die flatternden Quilts im Freien, das zarte ungeschminkte Gesicht von Grace, wenn sie ihr Leben detailreich dem Psychologen erzählt, sowie die Sprache und die Metaphern von Margarete Atwood, die diesen Film so sehenswert machen. Ein zarter Grusel, eine verständliche Verwirrung und wunderschöne Bilder. Dazu in der deutschen Version mit meinen beiden weiblichen Lieblings-Synchronstimmen: Grace- Josefine Schmidt und Nancy Montgomery- Svantje Wascher.

Sa

11

Nov

2017

Linklater Seminare

Im Sommer habe ich ein Linklater Seminar besucht.

 

Schon auf der letzten Etappe der Hinreise von Priem zur Fraueninsel musste ich ein Tränchen der Rührung und Dankbarkeit vergießen.

Der Anblick des Chiemsees war einfach überwältigend und berauschend.

Nur grünblaue Tiefe und ein gigantischer Weitblick...mit solch einem Eindruck tuckerte ich in einem kleinen Schiffchen Richtung Fraueninsel.

Hiermit war die Einstimmung zum Linklater Seminar gelungen. Ich wußte: das kann nur gut werden :)

 

Das Seminar fand in den alten und beruhigenden Räumen des Klosters Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee statt.

Kristin Linklater hat eine Methode der Stimmfindung und -bildung erschaffen, die weltweit Anerkennung findet und dies nicht nur in Schauspieler- und Sprecherkreisen, sondern darüber hinaus für jeden, der etwas für seine  seine Stimme tun will oder sie kennen lernen möchte interessant ist. Sie nennt es "Befreien der natürlichen Stimme".

Wem das zu esoterisch klingt kann es getrost ignorieren, denn das ist es nicht. 

 

Ich hatte nun fünf Tage das Vergnügen diese Methode mit siebzehn anderen Menschen kennen zu lernen.

In einer bunt zusammengewürfelten Gruppe erforschten wir mit Atmen, Seufzen und Körperarbeit unsere Stimme.

Vieles meinte ich aus meiner Schauspielausbildung und meiner langen Arbeit mit dem Atem und der Entspannung schon zu kennen. 

Genauer betrachtet und forschend beobachtet ergaben sich für mich immer Nuancen und Aspekte, die ich noch nicht kannte.

Die Methode ist facettenreich und vielfältig und ihr liegt das Auflösen alter manifestierter Verspannung zu Grunde: 

Im Grunde eine Arbeit, die nie aufhört.

 

Nach dieser Erfahrung bin ich sehr und weiter an der Linklater Methode  interessiert

und habe mittlerweile ein weiteres Seminar bei Heidi Puffer in Frankfurt erleben dürfen. Wieder war es eine sehr bereichernde Arbeit.

Es wurde mir nochmals ganz deutlich, wie seismographisch Stimme auf alles reagiert, was wir fühlen und denken;

Und dass wir als Sprecher und Schauspieler uns dieses Wissen zu eigen machen können.

 

Ein Geschenk, diese Art der Arbeit kennen zu lernen!  

 

 

 

 

So

04

Jun

2017

Eine Pause ist nicht nichts

Pausen sind wichtig. Auch beim Sprechen. 

Je nach Qualität, Länge oder Kürze  der Pause sagt sie im Grunde genauso viel wie Worte, obwohl sie doch nichts als eine mehr oder weniger lange Stille ist. Das ist verblüffend, da man annehmen könnte: wer schweigt sagt nichts. Ist aber nicht so.

Jeder kennt wohl die Situation, wenn man jemandem eine Frage stellt und eine ehrliche, spontane Antwort erwartet, und das Gegenüber jedoch erst einmal eine Pause macht. Beispiel: "Findest du meine neue Frisur gut?" Pause Pause ..."..also ja, doch."

Durch die Pause zweifeln wir an dem Gesagten, weil wir meinen, der andere habe zu lange über eine eventuelle, nicht verletzende Antwort nachgedacht. In einem anderen Fall kann eine Pause auch bedeuten: ich lasse dir Zeit zu antworten oder ich höre dir zu.

 

 

In einer Theaterinszenierung, in der ich mitspielte, galt es eine sehr lange Pause auszuhalten. Die Schauspieler saßen und sprachen nicht, und bewegten sich auch nicht großartig, es passierte vermeintlich nichts. In einer solchen Situation wird das Publikum nach kürzester Zeit unruhig, fängt an zu hüsteln, sich zu räuspern oder auch mit dem Nachbar zu reden. Zu lange Pausen im Theater werden oft als quälend empfunden. Warum ist das so?

 

In der Nachbearbeitung und beim Schneiden meiner Aufnahmen erwäge ich immer sehr genau wie lange eine Pause genau sein sollte.

Ist sie zu lange, hat man das Gefühl es entsteht eine Lücke, eine Unterbrechung des Gesprochenen.

Ist sie zu kurz fühlen wir uns vom Text überrollt.

So entsteht im besten Fall eine ganz eigene Melodie durch die Dynamik von Pausen,

was letztlich wiederum auch Geschmacksfrage ist.

Denn was dem einen eine zu lange Pause ist, ist für den anderen nicht lang genug.

 

John Cage, der berühmte amerikanische Komponist über Silence:  

 

 

 

 

 

So

05

Feb

2017

Faszination Stimme

Ich bin immer wieder überrascht, wie  wandelbar die menschliche Stimme ist. 

Gefühle und Stimmungslagen in unendlichen Variationen gibt die Stimme wieder. 

Sprechen beruht  auf Stimme und verbindet Menschen miteinander, lässt Kommunikation entstehen.

 

Dass sich die Stimme und Stimmlage verändert, kann, wie wir wissen, bewusst oder unbewusst passieren. 

Es gibt durchaus Tage, an denen habe ich das Gefühl meine Stimme sitzt und kann genau das transportieren und ausdrücken, 

was ich will. Sie hat die richtige Resonanz und das angemessene Volumen. 

Dann wieder gibt es Momente, da scheine ich meine eigene Stimme nicht wieder zu erkennen.

Fremde, knarzige Töne verlassen meine Kehle oder sie klingt dünn und fade.

Stimme und Psyche gehören zusammen und reagieren sehr sensibel aufeinander.

 

Hier ist ein schöner Film über die menschliche Stimme von 3 Sat

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So

30

Okt

2016

Little One

Ich freue mich sehr, dass  Studio Hamburg Enterprise am 28. 10 2016 die deutsche Version des afrikanischen Films "Little One" herausbringt. 

Der Film erzählt  von dem kleinen Mädchen Vuyelva , das vergewaltigt und halbtot von Pauline , Mutter eines Sohnes, in ein Krankenhaus gebracht wird und die sich fortan um die Kleine kümmert.

Das Gesicht des Kindes ist entstellt und es wagt sich nur mit einer von Pauline gebastelten Maske wieder unter Menschen...

 

Ich durfte die wunderbare Schauspielerin Lindiwe Ndlovu im Metz- Neun- Synchron- Studio Offenbach synchronisieren.

Ein wirklich sehenswerter Film von Darrel Roodt über die  tägliche Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Afrika,

feinfühlig und einzigartig erzählt. 

Erhältlich bei Amazon

 

 

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