Sprecherin und Schauspielerin


Eine Pause ist nicht nichts

Pausen sind wichtig. Auch beim Sprechen. 

Je nach Qualität, Länge oder Kürze  der Pause sagt sie im Grunde genauso viel wie Worte, obwohl sie doch nichts als eine mehr oder weniger lange Stille ist. Das ist verblüffend, da man annehmen könnte: wer schweigt sagt nichts. Ist aber nicht so.

Jeder kennt wohl die Situation, wenn man jemandem eine Frage stellt und eine ehrliche, spontane Antwort erwartet, und das Gegenüber jedoch erst einmal eine Pause macht. Beispiel: "Findest du meine neue Frisur gut?" Pause Pause ..."..also ja, doch."

Durch die Pause zweifeln wir an dem Gesagten, weil wir meinen, der andere habe zu lange über eine eventuelle, nicht verletzende Antwort nachgedacht. In einem anderen Fall kann eine Pause auch bedeuten: ich lasse dir Zeit zu antworten oder ich höre dir zu.

 

 

In einer Theaterinszenierung, in der ich mitspielte, galt es eine sehr lange Pause auszuhalten. Die Schauspieler saßen und sprachen nicht, und bewegten sich auch nicht großartig, es passierte vermeintlich nichts. In einer solchen Situation wird das Publikum nach kürzester Zeit unruhig, fängt an zu hüsteln, sich zu räuspern oder auch mit dem Nachbar zu reden. Zu lange Pausen im Theater werden oft als quälend empfunden. Warum ist das so?

 

In der Nachbearbeitung und beim Schneiden meiner Aufnahmen erwäge ich immer sehr genau wie lange eine Pause genau sein sollte.

Ist sie zu lange, hat man das Gefühl es entsteht eine Lücke, eine Unterbrechung des Gesprochenen.

Ist sie zu kurz fühlen wir uns vom Text überrollt.

So entsteht im besten Fall eine ganz eigene Melodie durch die Dynamik von Pausen,

was letztlich wiederum auch Geschmacksfrage ist.

Denn was dem einen eine zu lange Pause ist, ist für den anderen nicht lang genug.

 

John Cage, der berühmte amerikanische Komponist über Silence: